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Bewertung von Technologieunternehmen

Was Mittelständler daraus lernen können

Vor einigen Wochen verkauften die Brüder Maxim und Raphael Nitsche ihr erst wenige Jahre altes Unternehmen Conegon mit der Mathe-App „Math42“ für 12,5 Millionen Euro an den börsennotierten US-Lernanbieter Chegg. Auch andere Startups aus der digitalen Welt erzielen Traumpreise, von den Milliardensummen der Intergiganten Google, Amazon und Facebook ganz zu schweigen. Davon können viele kleine und mittelgroße Mittelständler, die ihr Unternehmen meist über Jahrzehnte mühevoll aufgebaut haben, nur träumen. Wie werden Technologieunternehmen bewertet und was können Sie daraus lernen?

DCF-Bewertungsmethode

Bei angelsächsischen Investoren ist die auf Zahlungsströmen basierte Ertragswertmethode ein etablierter Bewertungsansatz. Danach werden die auf der Grundlage von Ist-Zahlen und Erwartungen (manchmal auch Träumereien) prognostizierten zukünftigen freien Cash-Flows des Unternehmens mit einem risikoangemessenen Zinssatz auf die Gegenwart abgezinst (diskontiert). Je höher die Prognose-Cash-Flows demnach sind, desto höher ist der Unternehmenswert. Umgekehrt gilt: Je höher der Zinssatz und das Risiko, desto niedriger der Wert. Cash-starke Unternehmen mit geringen Risiken sind also die Stars. So zumindest die klassische Sichtweise. In der digitalen Welt kommen aber noch einige besondere Werttreiber hinzu, die zu übertriebenen Investorenphantasien führen können.

Werttreiber in der Digitalwelt

  • Kundenstamm: Die oben genannte App „Math42“ wurde innerhalb kurzer Zeit drei Millionen Mal heruntergeladen, nicht zuletzt gefördert durch einen Auftritt der Gründer in der Sendung „Höhle des Löwen“. In der digitalen Welt sind es die Kunden, die den Unternehmenswert ausmachen, nicht etwa teure Maschinen und Anlagen. Clevere Ideen, gute Programmierkenntnisse und preiswert gemietete Server-Kapazitäten reichen.
  • Wachstum: Deshalb setzen die Digitalunternehmen auf schnelles Wachstum. Wie z. B. Amazon gezeigt hat, steht die Rendite dabei in den Anfangsjahren nicht im Fokus. Auf diese Prinzipien setzen alle Technologie-Startups. Die Luft dazu verschaffen ihnen Investoren und Wagnisfinanzierer (Venture Capital).
  • Kundendaten: Technologieunternehmen verstehen es besser als traditionelle Mittelständler, aus ihren Kundendaten das Maximum an Erkenntnissen herauszuholen und auf der Grundlage von Big Data ihren Nutzern passgenaue Serviceangebote zu unterbreiten.
  • Skalierbarkeit: Am Beispiel der Mathe-App sieht man auch deutlich, dass Technologieunternehmen skalierbare Geschäftsmodelle haben. Jeder neue Kunde ist fast zum Grenzkostenpreis von Null zu haben. Je mehr Nutzer kommen, desto höher steigt bei sehr geringen variablen Kosten die Gesamtrendite.

Hinzu kommt, dass die vielen erfolgreichen Start-ups durch cleveres Marketing in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten und zuvor im Verborgenen ausgiebige Produkttests in der Realität durchführen konnten. Mittelständische Unternehmen aus klassischen Branchen können diese Prinzipien meist nicht in Gänze übernehmen, aber z. B. alleine das Thema „Kundendaten“ bietet genügend Optimierungspotenzial.

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